ZEITREISE

Fotografien Günther Abler, Ausstellung Naturns, 30.11.2007

Wie üblich will ich mich kurz halten, da das betretene, gelangweilte Schweigen der Zuhörer, die sich bei einer längeren Präsentation vollabern lassen müssen, peinlich ist, das sie sich ja eigentlich auf die Freigabe des Buffets freuen.

Drei Punkte will ich bei Ablers Arbeiten aufgreifen:
Thema, Ten und Technik.

Zur Technik: Das Positiv, also der Druck, entspricht dem Negativ, dem Film, wir sehen keine Ausschnitte oder Computerbearbeitungen, wie so viele Photographen es heute handhaben. Nackte Tatsachen sozusagen.

Die Themen: Städte, Menschen, Architektur, verinnerlicht und veräußerlicht.
Ein kleiner Einschub: Photographen sind meiner Erfahrung nach, die stillsten aller Künstler: je blutiger oder schriller das Bild, desto lieber schweigen sie, ratlos gepeinigt, blitzend. Abler macht kein Aufsehen, seine Bilder sind größtenteils S/W still, obwohl da Straßen und Schienen zu sehen sind, naturgemäß laut. Ins Bild mischt sich die Lautstärke nicht, er hält sie zurück - nur bei den "Kriegsübungen", da "hört" man das Knallen bzw. kann sich's vorstellen beim Gewehr im Anschlag.

1. Von Italien nach Amerika
Da standen noch die Twin Towers, daß sie fielen, interessiert den Photographen nicht (sonst wäre er ja noch einmal hingefahren, die Ruinen aufzunehmen), die Menschen sind da zentral: Günther Abler interessiert sich im Bild für den Menschen, gleichgültig sind sie abgelichtet nie, wenn auch dokumentarisch mit einer gewissen Distanz. Dann aber, Twin Towers, zur Architektur: da nimmt er Maß an den Hochhäusern und an den Vorstadtvillen, am Moma. Der Blick ist klinisch, von kühler Distanz, da brauchst's nicht immer Menschen.

2. Zurück nach Italien
Dann stehen aber plötzlich wieder Menschen im Bild, martialisch, sie üben das Töten (Twin Towers anders), Kanonen, Gewehre sehen wir, er war ja auch Militärphotograph in der naja (und ganz nebenbei: diese Aufnahmen dürfte er aus Geheimhaltungsgründen gar nicht zeigen).

3. Von Italien nach Griechenland
Besonders ambivalent finde ich seine griechischen Türen und Wände; ambivalent ist in der Kunst eine besondere Sache: man läßt als Künstler Interpretationen offen. Bei Günther Abler sehen wir, in Farbe diesmal, die halbe Türöffnung und daneben das zugehörige Stück Mauer: kann man bei der Tür überhaupt hinein oder will uns der Hausherr keinen Ouze aufschenken?
Abler ist ein stiller Künstler eben, der in Bildern lebt, photographisch Erinnerungen festhält, wie wir auch, aber: genau DIE Einstellung, DAS Licht, DIE Situation, DIE Menschen, DIE Bewegung, DIE Spannung im Auge des Photographen an Objektiv und Motiv. Er behauptet, nur das Alltägliche aufzunehmen, so ist's nicht, er gibt seine Motive und intellektuelle Geschichte preis, er entblößt sich, es ist immer der allerpersönlichste, intimste Blickwinkel, dem man sich mit einer gewissen Nachsicht nähern muß.

Peter Lloyd

 

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